"Hannas" tödliche Spur auf HaitiPort-au-Prince/Mexiko-Stadt (dpa) - Nach dem Durchzug des Wirbelsturms «Hanna» droht Haiti eine Versorgungskrise. Das Unwetter hat weite Teile der landwirtschaftlichen Flächen des ärmsten Landes Amerikas zerstört.Hilfsorganisationen befürchten, dass Ende des Jahres rund vier Millionen Menschen in dem karibischen Land vom Hunger bedroht sein werden. Unterdessen stieg die Zahl der Toten durch «Hanna» auf 136. Damit gab es seit Mitte vergangener Woche, als Hurrikan «Gustav» über dem Süden des Landes wütete, fast 200 Todesopfer durch Unwetter. Und die Angst bleibt: An diesem Wochenende stürmt Hurrikan «Ike» auf die Region zu. Nach Berechnungen der Meteorologen des Hurrikan-Zentrums in Miami soll der Sturm allerdings nördlich an den großen Antillen vorbei auf den Südosten der USA zusteuern. In seinem Zentrum entwickelt der Hurrikan derzeit Windgeschwindigkeiten von rund 220 Stundenkilometern. Über dem Atlantik zieht zudem Tropensturm «Josephine» Richtung Westen. Die Haitianer rechnen mit dem Schlimmsten für den Fall, dass «Ike» doch noch zuschlagen sollte. «Im Notfall müssen alle logistischen Möglichkeiten aufgebracht werden, um die Menschen aus Gonaïves herauszubringen», sagte die Direktorin des Zivilschutzes in Haiti, Alta Jean-Baptiste, einer örtlichen Zeitung. Die Lage in den Überschwemmungsgebieten begann sich am Freitag leicht zu entspannen. Der größte Teil der Wassermassen war aus der Stadt Gonaïves abgeflossen. Hilfsmaßnahmen für die überschwemmten Gebiete liefen an, aus mehreren Ländern kamen Zusagen für Soforthilfe. Hubschrauber der UN-Stabilisierungstruppe flogen in die nur schwer zugänglichen Krisengebiete, um die Menschen zu versorgen. Ein Team des internationalen Roten Kreuzes brach am Freitagmorgen auf, um nach Gonaïves zu gelangen. Die EU sicherte Haiti eine sofortige Nothilfe in Höhe von zwei Millionen Euro zu. «Wir haben Berichte über zehntausende Menschen, die sofort dringend Hilfe benötigen», sagte EU-Entwicklungskommissar Louis Michel am Freitag. «Ihre Situation ist verzweifelt.» Auch Deutschland hat Zeitungsberichten zufolge eine erste Finanzhilfe in Höhe von mehr als 150 000 Euro zur Verfügung gestellt. Bundespräsident Horst Köhler kondolierte dem Präsidenten von Haiti, René Préval. Köhler schrieb in einem Telegramm unter anderem: «Ich möchte Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen. Bitte übermitteln Sie unser Beileid auch den Familien der Opfer. Ihnen gilt in diesen schweren Tagen unser ganzes Mitgefühl.» «Hanna» hatte den Norden Haitis mit sintflutartigen Regenfällen heimgesucht, als das verarmte Land gerade mit Aufräumarbeiten nach Hurrikan «Gustav» im Süden begonnen hatte. Die Karibik wird seit Wochen von schweren Wirbelstürmen geplagt. Über die Höhe der materiellen Schäden gab es am Freitag noch nicht einmal Schätzungen. «Die landwirtschaftliche Produktion Haitis ist praktisch zerstört», sagte die Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti, Astrid Nissen. Die Vorräte in den Notdepots gingen zur Neige und es sei zu befürchten, dass am Ende Hunger drohe. Unterdessen kehrten am Freitag immer mehr Menschen nach New Orleans zurück. Die Heimkehrer erwarten beschädigte Häuser und Straßen, zerstörte Gärten, andauernde Stromausfälle sowie ein vielerorts nicht intaktes Abwassersystem. Die Geschäfte würden langsam wieder öffnen, hieß es in US-Zeitungsberichten. Große Schäden gab es nicht, kleinere Schäden wurden aus 21 Bezirken der Stadt gemeldet, schrieb die «Los Angeles Times» am Freitag. Das Flut- Kontrollsystem, das nach dem verheerenden Hurrikan «Katrina» vor drei Jahren gebaut wurde, habe sich bewährt, sagte Gerry Galloway, ein Deich-Experte der Universität Maryland, dem Blatt. Quelle: dpa-info.com GmbH
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