US-Wahlkampf: Obama geht zum Angriff über - McCain mit Frau als VizeWashington/Denver dpa) - Gut zwei Monate vor der Entscheidung über den neuen US-Präsidenten hat in den USA die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen.![]() John McCain stellt seine Vizekandidatin Sarah Palin den jubelnden Anhängern vor. (mehr...) ©dpa-info.com GmbH Kaum hatte der demokratische Kandidat Barack Obama mit einer umjubelten Rede vor 84 000 Anhängern in Denver seinen Anspruch auf das höchste Amt unterstrichen, stellte sein republikanischer Rivale John McCain überraschend die erst 44 Jahre alte Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten vor. Damit wollen die Republikaner erstmals in ihrer Geschichte mit einer Frau als Vize ins Weiße Haus einziehen. Vor jubelnden Anhängern sagte McCain in Dayton (Ohio): «Sie ist genau das, was ich brauche und was das Land braucht.» Er präsentierte Palin als eine prinzipientreue, aber zugleich reformfreudige Politikerin, die ihm helfen werde, mit dem «business as usual» in Washington Schluss zu machen. Palin sei hartnäckig, wenn es gelte, Probleme anzugehen, und habe als Gouverneurin Regierungserfahrung gesammelt und damit genau die richtige Persönlichkeit, um «Washington aufzumischen» und dafür zu sorgen, dass die Interessen des Landes wieder Vorrang vor Eigeninteressen erhielten. Palin, die erst 2006 als erste Frau Gouverneurin von Alaska wurde, sagte: «Ich weiß, dass die Aufgabe mir das Beste abverlangt. Ich verspreche nichts Geringeres.» McCain, der am Freitag 72 wurde, überging mit seiner Entscheidung weitaus prominentere Anwärter auf das Vizeamt wie den früheren Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Experten werteten seine Entscheidung für Palin vor allem als Versuch, Wählerinnen auf seine Seite zu ziehen. Außerdem habe er angesichts seines eigenen Alters und der relativen Jugend seines Rivalen Obama (47) frischen Wind in seinen Wahlkampf bringen wollen. US-Präsident George W. Bush lobte McCains Entscheidung in höchsten Tönen. Sein Parteifreund habe «eine aufregende Wahl» getroffen, erklärte Bush. Die 44-Jährige sei eine «bewährte Reformerin». Sie sei zudem eine weise Verwalterin von Steuergeldern und trete dafür ein, dass Regierende auch zur Verantwortung gezogen werden. Obamas Wahlkampflager kritisierte dagegen die mangelnde Erfahrung Palins. «John McCain hat heute die frühere Bürgermeisterin eines 9000-Einwohner-Ortes ohne jede außenpolitische Erfahrung nur einen Herzschlag von der Präsidentschaft entfernt platziert», sagte Obamas Sprecher Bill Burton. Die Gouverneurin setzte sich wie McCain gegen Abtreibung, die Interessen der Ölindustrie und eine Fortsetzung der verfehlten Wirtschaftspolitik von Präsident George W. Bush ein. Bei seiner Rede im Footballstadion von Denver hatte Obama McCain am Donnerstagabend (Ortszeit) scharf attackiert. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber sei Mitläufer der «gescheiterten Politik» von Präsident George W. Bush. «Amerika, wir sind besser als diese letzten acht Jahre», rief der 47-Jährige den Delegierten zum Abschluss eines Parteitages zu. US-Medien lobten am Freitag, dass sich Obama in seiner Nominierungsrede - im Gegensatz zu früheren, unbestimmten Versprechungen des «Wandels» («Change») - auf konkrete Sorgen der Wähler angesichts der Wirtschaftskrise konzentriert habe. Zugleich habe er schärfer als zuvor den Gegner ins Visier genommen. Das über sechsstündige Spektakel, bei dem Popstars wie Stevie Wonder und Sheryl Crow auftraten, endete mit einem Feuerwerk und Konfettiregen. «Mit tiefer Dankbarkeit und großer Demut akzeptiere ich die Nominierung für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten», sagte Obama in seiner 46-minütigen Grundsatzrede. Der Regierung Bush warf er einseitige Politik zugunsten der Reichen und der Konzerne vor. McCain habe in der Vergangenheit zu 90 Prozent mit dem Präsidenten gestimmt. Scharf kritisierte er McCains «halsstarrige Weigerung», den Irakkrieg zu beenden. «Unsere Nation ist im Krieg, unsere Wirtschaft in Aufruhr und das amerikanische Versprechen ist wieder einmal in Gefahr», sagte Obama. Immer wieder konzentrierte sich der Senator aus Illinois in seiner Rede auf den von der Krise bedrohten Mittelstand, auf Arbeitslose, sprach von den steigenden Benzinpreisen und der Immobilienkrise. Im Fall eines Wahlsieges werde er 95 Prozent der Familien steuerlich entlasten. «Steuerschlupflöcher» sollten gestopft und Steuervergünstigungen für Konzerne und Reiche gestrichen werden. Dagegen nahm die Außenpolitik nur vergleichsweise knappen Raum ein. Obama bekräftigte seine Absicht, den Irakkrieg «verantwortungsvoll« zu beenden, nannte aber keinen konkreten Zeitpunkt für einen Rückzug der US-Truppen. Im Atomkonflikt mit dem Iran würde er das Mittel einer «harten, direkten Diplomatie» anwenden, um Teheran «zu hindern, Atomwaffen zu bekommen». Am Montag beginnt der Parteitag der Republikaner in Minneapolis/St. Paul, bei dem Vietnamveteran McCain offiziell zum Kandidaten gekürt wird. Falls er die Wahlen am 4. November gegen Obama gewinnen sollte, zieht er als bisher ältester Präsident ins Weiße Haus ein. Obama wäre der erste schwarze US-Präsident. Er hat den 65-jährigen Senator Joseph Biden als seinen Vizekandidaten ausgewählt. Quelle: dpa-info.com GmbH
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