Ingrid Betancourt nach Geiselhaft bei bester GesundheitParis (dpa) - Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt hat ihre knapp sechseinhalb Jahre dauernde Geiselhaft im Dschungel Kolumbiens gesundheitlich überraschend gut überstanden. «Ich hatte große Angst, mir etwas Schlimmes einzufangen, jetzt ist die Freude umso größer.»![]() Ingrid Betancourt ist nach ihrer jahrelangen Geiselhaft im Dschungel gesund. (mehr...) ©dpa-info.com GmbH Das sagte Betancourt der französischen Zeitung «Journal du Dimanche» (Sonntag). Sie kündigte an, dass sie bald nach Kolumbien zurückkehren wolle. «Vorher will ich Frankreich sehen und mit meinen Kindern allein sein», sagte sie. Geplant ist auch ein Treffen mit Papst Benedikt XVI. Unterdessen werden immer mehr Details der dramatischen Befreiungsaktion bekannt, bei der Telefontricks, Schauspieltraining und gewagte Täuschungsmanöver eingesetzt wurden. Nach einem Bericht des New Yorker «Wall Street Journal» verlief die Befreiung der insgesamt 15 Geiseln aus den Händen der FARC-Guerilla am vergangenen Mittwoch wie nach dem Drehbuch eines Spionage-Thrillers. Demnach soll die US-Regierung früh in den Plan eingeweiht gewesen sein und logistische Hilfe geleistet haben. Ende Mai hätten drei Offiziere den Plan entwickelt, die Rebellen dazu zu bringen, die Geiseln in ein anderes Camp bringen zu lassen. Geheimdienstler nahmen demnach Kontakt mit zwei FARC-Lagern auf. Die jeweiligen FARC-Anführer dachten, sie sprächen mit ihren Genossen aus dem anderen Lager, doch tatsächlich war es der Geheimdienst. Die US- Regierung soll den Agenten «Schauspielunterricht in Hollywood-Stil» ermöglicht haben, schreibt das Blatt. FARC-Aussteiger übten mit den Geheimdienstlern Sprache und Verhaltensweise der Rebellen ein. Der kolumbianische Befehlshaber Luis Gomez sagte dem «Figaro», dass insgesamt neun Soldaten an der Befreiungsaktion teilgenommen haben. Bereits seit April hätte die Armee ungefähr gewusst, wo sich die Geiseln aufhielten. Nach Ansicht des kolumbianischen Verteidigungsministers Juan Manuel Santos sind die FARC-Rebellen nun stark verunsichert. «Wenn die FARC nicht jetzt mit uns verhandeln, werden sie es später aus einer noch schwächeren Position heraus tun müssen», sagte er der spanischen Zeitung «El País» (Sonntag). Er dementierte Berichte, dass Israel an dem Einsatz beteiligt gewesen sei. «Die Operation ist auch nicht auf politischen Druck aus Frankreich, den USA oder von sonst jemandem zurückzuführen gewesen. Diese Operation war 100-prozentig kolumbianisch.» Das kolumbianische Militär hatte am Wochenende Videoaufnahmen veröffentlicht, um Berichten über eine inszenierte Befreiung und eine Lösegeldzahlung entgegenzutreten. Der Schweizer Radiosender RSR hatte gemeldet, es seien rund 20 Millionen Dollar (12,6 Millionen Euro) Lösegeld gezahlt worden. Kolumbien, die USA und Frankreich dementierten umgehend. «Das wäre ja billig gewesen. Wir hatten den FARC schon 100 Millionen geboten, und sie haben das abgelehnt», sagte der kolumbianische Verteidigungsminister Manuel Santos. Das Video zeigt, wie die Geiseln mit Plastikfesseln an den Handgelenken zum Hubschrauber geführt werden. Eine weitere Szene zeigt ihre Freude, als sie erfahren, dass sie frei sind. Betancourt weint vor Erleichterung und eine der kolumbianischen Geiseln schreit immer wieder: «Zehn Jahre Warten, zehn Jahre Warten». Betancourt sagte später in Paris: «Das, was ich miterlebt habe, kann keine Inszenierung gewesen sein.» Quelle: dpa-info.com GmbH
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