Jesse Woodson James (Brad Pitt) ist der wohl berühmteste, berüchtigste und mystischste Gauner, den der Wilde Westen je gesehen hat. Schon kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg beginnt James, zusammen mit seinen Brüdern die sogenannte James-Younger-Bande ins Leben zu rufen - eine Gruppe, die sich darauf spezialisiert hat, Banken zu überfallen.
Berühmt wird Jesse James durch seine abenteuerlichen Fluchten vom Tatort und der eleganten Art, vor allem Unionsgeneräle und radikale Republikaner zu bestehlen. Schnell bringt ihn das den Ruf ein, ein moderner Robin Hood zu sein. Dabei ist James keinesfalls zimperlich. Bankangestellte, die seinen Befehlen nicht gehorchen, werden kurzerhand erschossen.
Der Feigling Robert Ford (Foto: ©2007 Warner)
Irgendwann aber wird Jesse James alt. Mit Mitte dreißig ist man auch im Wilden Westen kein Abenteurer mehr und nichts wünscht sich der berüchtigte Bankräuber mehr, als sich mit seiner Frau und den zwei Söhnen niederzulassen. 1881 mietet Jesse ein Haus in Saint Joseph, Missouri und zieht sich zurück. Doch als die Brüder Robert (Casey Affleck) und Charley Ford auftauchen, bricht die gerade erst geschaffene bürgerliche Idylle zusammen wie ein Kartenhaus.
James nimmt die beiden ungleichen Brüder bei sich auf und muss schnell feststellen, dass der junge Robert ausgerechnet ihn als großes Vorbild auserkoren hat. Die letzten sechs Monate vor dem tödlichen Schuß und der "Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" entwickeln sich zu einem Psychoduell, das der paranoide, depressive und alte Jesse James letztlich verlieren muss...
10.000 US-Dollar Kopfgeld, heisst es, seien damals auf den Kopf des berühmtesten Bankräubers der amerikanischen Geschichte ausgesetzt gewesen. Grund, die Western-Ikone zu erschießen, hatten also viele. Regisseur Andrew Dominik macht aus "Jesse James..." dennoch kein schießwütiges Abenteuer und auch Brad Pitt gibt nicht den eisernen John Wayne. Stattdessen regieren die leisen Töne. Auch der Mythos Jesse James bekommt Risse - so verletzlich und verwittert hat man die amerikanische Legende sicher noch nie im Kino gesehen.
Seit gestern läuft der außergewöhnliche Spät-Western mit Brad Pitt und Ben Afflecks Bruder Casey in den deutschen Kinos. Stolze 150 Minuten ist das Epos lang und brachte Brad Pitt den Darstellerpreis in Venedig ein.