Als Mitsubishi vor einem Dreivierteljahr den HC4900 vorstellte, freute sich die Heimkinogemeinde über den zu diesem Zeitpunkt überraschend niedrigen Preis von 2.000 Euro. Nun, im Sommer 2008 ist es wider Erwarten nicht die LCD-Fraktion, die einen neuen Maßstab in Sachen günstige Projektion mit voller HD-Auflösung setzt, sondern jenes Lager, das auf die Spiegelchips aus dem Hause Texas Instruments vertraut. Optomas HD-800X ist schon ein paar Monate erfolgreich im Markt, der InFocus X10 noch eine Neuheit. Beide versprechen echtes Heimkino-Feeling mit jeweils 1200 ANSI-Lumen Lichtleistung und einem Kontrastverhältnis von 5000:1 (Optoma) und 7500:1 (InFocus). HEIMKINO fühlt den Full-HD-Einstiegsbeamern auf den Zahn und sagt Ihnen, wie viel Licht und Schatten es auf beiden Seiten gibt.
Die Technik
Beide Geräte sind, wie bereits erwähnt, DLP-Vertreter, setzen also im Gegensatz zu LCD-Beamern auf eine reflexive Projektionstechnologie mit knapp zwei Millionen mikroskopisch kleinen Spiegelchen, die auf dem in der Diagonale 2,413 Zentimeter messenden DMD-Chip von Texas Instruments Platz finden. Hier zeigt sich der erste Unterschied der beiden Geräte zueinander. Während Optoma dem HD-800X einen DarkChip-2 spendiert, muss der InFocus mit einem der ersten Generation auskommen. Wer jedoch vor allem die letzten Ausgaben der HEIMKINO gelesen hat, weiß: Die neueste Generation an DLP-Chip ist noch lange nicht die Garantie für ein besseres Bild. Sowohl der X10 als auch der HD-800X basieren auf der Technik größerer Geschwister. Beim HD-800X stand der HD80 Pate, der seit geraumer Zeit Heimkinofans begeistert und lediglich über den neueren DarkChip3 und eine bessere Optik verfügt. Beim X10 von InFocus ist das nächstgrößere Modell der IN81. Hier gibt es ebenfalls lediglich zwei greifbare Unterschiede: Zum einen trägt der X10 keine Klavierglanzoberfläche, sondern bietet "nur" eine matte Beschichtung des Gehäuses, zum anderen muss, wie erwähnt, der DarkChip-1 herhalten, während der IN81 mit dem DC-2 ausgerüstet ist. Optoma und InFocus gehen bei der Verwendung des Farbrades unterschiedliche Wege: Der HD-800X enthält ein Sechs-Segment-Rad mit zweifacher Ausstattung der Grundfarben Rot, Grün und Blau, der X10 besitzt eine Sieben-Segment-Version, die zusätzlich zu 2 x RGB noch ein Dunkelgrün-Segment enthält, um mögliches Rauschen in dunklen Bildinhalten zu minimieren. Zusätzlich wurden die Rot-Segmente etwas vergrößert, um die Rot-Schwäche der verwendeten UHP-Lampe zu neutralisieren und eine akkuratere Farbdarstellung zu ermöglichen. Dazu spendiert InFocus auf der Software-Seite noch eine BrilliantColor-Schaltung, welche die Farbintensität und -darstellung verbessern soll. Bei Optoma nennt sich ein ähnliches Verfahren "Image AI". Um dem gefürchteten Regenbogeneffekt entgegenzuwirken, drehen sich die beiden Farbräder mit vierfacher (InFocus) bzw. sechsfacher (Optoma) Geschwindigkeit (gemessen anhand der Basis unseres 50-HZ-Wechselstromnetzes). Bei beiden kommt ein DNX-Chip von Pixelworks zum Einsatz, der für Upscaling und De-Interlacing verantwortlicht zeichnet – keine High-End-, aber eine gute Lösung, denn der momentane Primus der Bildverarbeitungschips, der HQV von Gennum wäre deutlich teurer. Kommen wir abschließend zur Flexibilität der beiden Projektoren und damit leider auch zum dunklen Kapitel dieses Tests. Wie von DLP-Beamern anderer Hersteller bekannt, leiden auch InFocus und Optoma unter ihrem geringen Zoomfaktor von 1,2, ihrem recht hohen Offset (je höher der Offset, desto -höher projiziert der Beamer das Bild, gemessen von der Unterkante seines Objektivs) und ihrem fehlenden Lens-Shift. Für eine zwei Meter breite Leinwand müssen Käufer beide Geräte mindestens 3,7 Meter entfernt aufstellen – nicht jedes Wohnzimmer verfügt über diese Reserven, und so mancher möchte bei entsprechender Lichtleistung ja auch noch eine größere Bildbreite realisieren. Für beide nahezu zwingend ist dann auch die Montage an der Decke, da bei Installation der Leinwand auf idealer Höhe sowohl Optoma als auch InFocus aus Offset-Gründen eher auf dem Wohnzimmertisch als auf einem Regal hinter dem Sitzplatz stehen müssten. Also ob sie diesen Nachteil ausmerzen wollten, bieten beide Beamer eine anamorphische Verzerrung des Bildinhaltes an, um mit einer optional erhältlichen Vorsatzlinse ein wiederum anamorph kodiertes Bild im Format 2,35:1 auf eine entsprechende Widescreen-Leinwand zu projizieren – einzigartig in dieser Preisklasse.

Der InFocus X10
Setup und Bildqualität
In Sachen Setup müssen bei beiden Geräte keinerlei Abstriche gemacht werden. Der X10 von InFocus hat kurzerhand sämtliche Features der größeren Geschwister implementiert, und auch der HD-800X wartet mit der Möglichkeit auf, den Helligkeitsverlauf per RGB-Gain-Offset zu kalibrieren und lässt sich in der Gammadarstellung entweder über vier Presets oder in zehn Stufen manuell beeinflussen. Im deutschen Menü des Optoma haben sich übrigens einige Übersetzungsfehler eingeschlichen: "Noise Reduction" wurde hier zu "Geräusch-Reduzierung" und "Edge Enhancement" zu "Grenzen Erweiterung" – wenn man weiß, was gemeint ist, kann man es mit Humor nehmen. Allerdings sollten vor allem von der "Edge Enhancement" die Finger gelassen werden, da diese selbst in der geringsten Einstellung unschöne helle Artefaktsäume an den Rändern von Objekten erzeugt. Beim InFocus fällt sofort die größere Helligkeit auf, und so reduzieren wir ihn, indem wir die manuelle Blende zur Hälfte schließen, um ihn mit dem Optoma direkt vergleichen zu können.